Der Beruf der Fachangestellten für Medien- und Informationsdienste (FaMI) ist vielseitig und anspruchsvoll. FaMIs sind die Allrounder in wissenschaftlichen Bibliotheken – sie unterstützen in nahezu allen Bereichen und tragen wesentlich zum reibungslosen Ablauf des Bibliotheksbetriebs bei. Um fachlich auf dem neuesten Stand zu bleiben und sich persönlich weiterzuentwickeln, stehen zahlreiche Fortbildungen, Weiterbildungen und Schulungen zur Verfügung.
Bereits während der Ausbildung sind Schulungen zu Regelwerken, Sprachkursen oder auch Bildbearbeitung üblich. Im Berufsleben kommen weitere Themen hinzu, etwa Schulungen zu Bibliotheksmanagementsystemen (BMS), erweiterte Regelwerkskenntnisse, Kommunikation mit Nutzenden, Urheberrecht oder Medienpflege. Die Möglichkeiten sind vielfältig und reichen von kurzen Workshops bis hin zu berufsbegleitenden Studiengängen.
Begriffsabgrenzung:
In vielen Fällen werden die Begriffe wie Synonyme verwendet, z.B. für die Indexierung von Suchmaschinen.
Anbieter und Tipps für Fort- und Weiterbildungen
Im Bibliotheksbereich gibt es eine Vielzahl an Möglichkeiten, sich fachlich und persönlich weiterzuentwickeln. Dabei wird nicht immer streng zwischen Fortbildung, Weiterbildung und Schulung unterschieden – viele Angebote überschneiden sich in ihrer Zielsetzung und Methodik. Für diese Übersicht geht es vor allem darum, hilfreiche Quellen und Plattformen zu nennen, über die man passende Angebote finden kann – unabhängig von der genauen Bezeichnung.
Die folgende Liste enthält eine Auswahl an Stellen, bei denen regelmäßig Fortbildungen angeboten werden. Sie ist nicht vollständig, bietet aber einen guten Einstieg. Besonders empfehlenswert sind Newsletter-Abonnements, da viele Seiten nicht immer aktuell gepflegt sind und neue Angebote oft direkt über Mailverteiler kommuniziert werden.
Ein paar Seiten / Stellen bei denen man Fortbildungen finden kann, habe ich hier aufgeführt. Die Liste wird nicht vollständig sein. Bei einigen kann man die Newsletter empfehlen, u.a. da die Seiten nicht immer aktuell sind.
Weitere Interessante Fortbildungen:
Bildungsurlaub – oft unbekannt, aber hilfreich
Wenn ihr eine Fortbildung besuchen möchtet, die nicht dienstlich genehmigt wird oder die ihr privat absolvieren wollt, lohnt sich ein Blick auf das Thema Bildungsurlaub. In vielen Bundesländern habt ihr Anspruch darauf – vorausgesetzt, die Veranstaltung ist als bildungsurlaubsfähig anerkannt. Wichtig: Der Antrag muss in der Regel etwa 9 Wochen im Voraus gestellt werden. Welche weiteren Bedingungen gelten, solltet ihr unbedingt vorher prüfen.
Leider wird dieses Thema in manchen Einrichtungen kaum kommuniziert. Als ich selbst einmal nachfragte, warum man darüber nicht informiert wird, hieß es schlicht: „Das ist nicht unsere Aufgabe.“ Eine Einstellung, die wenig hilfreich ist – gerade wenn man spontan auf ein Angebot reagieren möchte.
Schulungen am Wochenende – unterschätzter Bedarf
In Gesprächen mit Anbietern und Dozenten habe ich festgestellt, dass Wochenendschulungen oft nicht als notwendig angesehen werden. Viele gehen davon aus, dass beruflich relevante Schulungen einfach während der Arbeitszeit besucht werden können. Doch die Realität sieht oft anders aus: Berufliche Verpflichtungen, andere Termine oder fehlende Freistellung machen Schulungen unter der Woche schwierig – selbst wenn sie bibliotheksbezogen sind.
Meine letzten Fortbildungen fanden abends oder am Wochenende statt – alle privat bezahlt – und waren gut besucht. Das zeigt: Es gibt Bedarf. Solche Angebote sollten regelmäßig verfügbar sein, auch wenn sie nicht für jede Person relevant sind.
Positiv: Manche Anbieter sind flexibel und passen auf Nachfrage ihre Kursformate an – etwa durch längere Pausen zwischen den Kurstagen.
Frühzeitig planen – auch schon in der Ausbildung
Ob in der Ausbildung oder im Berufsleben: Es lohnt sich, einen persönlichen Fortbildungsplan zu erstellen. Schon während der Ausbildung könnt ihr relevante Schulungen besuchen und mit einzelnen Urlaubstagen zusätzliche Angebote wahrnehmen. Wer gut lernen kann, sollte überlegen, bereits in der Ausbildung Zertifikatslehrgänge zu absolvieren – idealerweise so, dass die Prüfungen nicht mit den Abschlussprüfungen kollidieren.
Mir persönlich war dieses Thema während der Ausbildung nicht präsent. Daher mein Rat: Nutzt die Zeit und startet früh mit Schulungen – das zahlt sich später aus.
Weniger ist mehr – aber gezielt
Viele kleine Schulungen sind hilfreich, um sich fortlaufend weiterzubilden. Für den Lebenslauf sind jedoch umfangreichere Schulungen oder Zertifikatslehrgänge oft wirkungsvoller. Überlegt euch, in welchem Bereich ihr euch spezialisieren möchtet, und kombiniert z. B. eine Schulung mit einem anschließenden Zertifikatskurs – möglichst zeitnah, solange das Wissen frisch ist. Die Berufsschulzeit oder Urlaubsphasen bieten sich dafür besonders an.
Keine Angst vor Zielgruppen bei Weiterbildungsangeboten
Der Begriff „Bibliothekar/in“ wird in Schulungsangeboten häufig als Sammelbezeichnung verwendet – und meint dabei oft mehr als nur Personen mit einem abgeschlossenen Studium. In der Praxis zeigt sich: Auch FaMIs und Quereinsteigende sind regelmäßig gemeint, selbst wenn dies nicht explizit erwähnt wird. Auf Nachfrage bei einem Anbieter wurde mir bestätigt, dass die Formulierung angepasst werden soll – ein gutes Beispiel dafür, dass Nachfragen lohnt.
FaMIs sind eine eigenständige Berufsgruppe mit spezifischer Ausbildung und Aufgabenprofil. Dennoch werden sie in vielen Weiterbildungsangeboten unter dem Begriff „Bibliothekar/in“ mitgedacht. Wer unsicher ist, ob ein Angebot passt, sollte lieber nachfragen, statt es vorschnell auszuschließen.
Die leidigen Themen: Budget, Zeit und Zugang
Budget & Bedarf: „Dafür ist kein Budget da“ – ein Satz, den viele Beschäftigte im Bibliothekswesen kennen. Gerade bei Fortbildungen wird oft gespart, obwohl sie für die persönliche und berufliche Entwicklung essenziell sind. Natürlich sind hohe Kosten ein berechtigter Diskussionspunkt, doch auch kleinere Beträge können Hürden darstellen. Wer weiterkommen möchte, sollte sich nicht entmutigen lassen:
Zeit & Bildungsurlaub: Ein großes Hindernis ist die fehlende Zeit. Viele Fortbildungen erfordern Freistellung oder flexible Arbeitszeiten. Der Bildungsurlaub ist ein oft unbekanntes, aber hilfreiches Instrument – allerdings mit Vorlaufzeit (z. B. 9 Wochen). Arbeitgeber sind nicht verpflichtet, aktiv darauf hinzuweisen. Wer sich weiterbilden möchte, muss oft selbst aktiv werden.
Ja, auch Auszubildende haben einen Anspruch auf Bildungsurlaub, jedoch mit mehr Einschränkungen und Vorgaben. Informiert euch, passt euch den Vorgaben an und nutzt es.
Denkt bei der Planung aber auch an die Pflichtpraktika während der Ausbildung.
Online oder vor Ort?
Viele Schulungen könnten problemlos online stattfinden – und doch wird Präsenz oft bevorzugt. Dabei sind die Hürden groß: lange Anfahrten, Übernachtungskosten, Betreuungspflichten. Einige Schulungen, die ich besucht habe, waren in Präsenz, obwohl der Inhalt auch digital vermittelbar gewesen wäre. Bei Online-Terminen kann allerdings der Nachteil bei der Technik liegen.
Gut konzipierte Online-Schulungen mit klaren Inhalten und strukturierter Vermittlung können eine echte Alternative sein – besonders für kürzere oder spezialisierte Themen. Ein direkter Austausch, Anpinnen von Haftnotizen in Gruppenarbeiten, oder anschließende Führungen, habe nicht immer Vorteile gegenüber Online-Terminen.
Selbst zahlen – und dann?
Ein schwieriges Thema: Schulungen, die man selbst finanzieren muss. In meinem Fall wollte ich mich zu IT-Sicherheit und Datenschutz weiterbilden – Themen, die zwar nicht direkt zu meinem Aufgabenbereich gehören, aber dennoch relevant sind. Ich habe die Schulungen selbst bezahlt, obwohl sie eigentlich arbeitsbezogen sind. Viele Angebote kosten mehrere hundert oder sogar tausend Euro – und werden weder vom Arbeitgeber noch steuerlich vollständig anerkannt. Achtet bei der Steuererklärung auf korrekte Eintragungen, denn nicht alles wird automatisch berücksichtigt.
Ausbildungsjahr 1:
Nehmt euch im ersten Jahr nicht zu viel vor und haltet den Lernfortschritt der Ausbildungsinhalte stabil. Kleine Schulungen können eine gute Idee sein, aber denkt über den Nutzen nach. Über die Ausbildung werden auch einige Themen betrieblich oder schulisch bearbeitet. Nehmt an einem kostenlosen Sprachtest für Englisch teil, damit Ihr eine Tendenz dafür habt. Für die eigenen Arbeitsweisen können auch Dokumentenmanagement und Zeitmanagement ein Idee sein.
Ausbildungsjahr 2:
Im zweiten Jahr habt Ihr evtl. etwas mehr Zeit und könnt auch einen größeren Lehrgang einplanen. Behaltet aber Zeit, Kosten und Sinn im Auge. Beispielsweise ein einjähriger Zertifikatskurs ergibt möglichweise wenig Sinn, da Ihr die Zeit zum Lernen für die Ausbildungsinhalte benötigt. Ein mehrwöchiger Zertifikatskurs, womöglich noch am Wochenende, ist besser. Datenschutz, KI & Urheberrecht könnten z.B. vertieft werden. Möchtet Ihr etwas vertiefen oder erweitern? z.B. Dokumentenmanagement mit Datenmanagement und Wissenstransfer erweitern? Wie wäre es mit Themengebieten, wie Nachhaltigkeit oder E-Ressourcen?
Ausbildungsjahr 3:
Hier habt Ihr vermutlich noch etwas Zeit, aber behaltet die Prüfungen im Blick. Lernt lieber fehlende Inhalte, aber generell könnt Ihr euch in der Zeit auch super auf spätere Stellen vorbereiten. Werdet Ihr übernommen? Braucht Ihr Schulungen für einen Arbeitsplatzwechsel?
Sprache: Jetzt solltet Ihr einen Sprachtest machen und probieren einen möglichst guten Wert zu erreichen. Auch bereits ein Zertifikat für B2 verschafft euch direkt nach der Ausbildung einen Vorteil. Für die Prüfung könnt Ihr einen Kurs zum Präsentationen halten mitmachen. Für Stellenwechsel können Office- und u.a. Excel-Kurse wichtig sein. Sucht euch interessante Stellen raus, die in Zukunft die Richtung sein könnten und schaut die Anforderungen durch.
Übergang nach der Ausbildung
Berufseinstieg + Weiterentwicklung: Erwerb des Ausbilderscheins (AdA), Teilnahme an Wochenendkursen (z. B. Moderation, Coaching, Führungskompetenz). Einstieg in ein berufsbegleitendes Studium oder Zertifikatslehrgang (z. B. Bibliotheksinformatik). Besuch von Fachveranstaltungen oder Tagungen (z. B. BIB, BuB, ZBIW). Wie wäre es mit einem Verwaltungslehrgang?
Tipps zur Umsetzung
Urlaubszeiten oder Berufsschulphasen für Schulungen nutzen. Dokumentiert alle Fortbildungen für den Lebenslauf, bzw. eine Übersicht als Anhang. Wählt gezielt einzelne Themenfelder (z. B. IT, Nutzerkommunikation, Katalogisierung) und baut darauf auf. Achtet auf Termine und Zeit zum Lernen.
Die Aufführung soll ein Idee zur Selbstinformation sein. Die Liste ist nicht vollständig und es gibt so viel mehr zu entdecken!
Fachliche Fortbildungen für FaMIs
Tipp: Die Ansichten der Dienst- und Verbundkataloge sind zum Lernen interessanter als die OPAC-Ansichten. Falls Ihr frisch zur Katalogisierung kommt, schaut euch die verschiedenen Aufnahmen, gerne auch aus alten und neuen Zeiten an. Je Verbund gibt es dabei ggf. auch individuelle kleine Unterschiede. Wenn Ihr Zugang zu Test-Datenbanken habt, was z.B. in Verbünden möglich ist, übt dort. Lasst euch nicht von Feldbezeichnungen ablenken und achtet darauf, was vom Buch wichtig ist und sortiert diese Angaben dann den Feldern zu, die Ihr nach und nach kennenlernt.
Hinweis: Sofern nicht anders mit euch besprochen, gibt eine Bibliothek, also auch Ihr, keine rechtlichen Auskünfte bei der Arbeit. Entsprechend gibt man auch keine Auskünfte zum Urheberrecht, aber alleine für z.B. Probleme bei der Fernleihe oder bei Themen zur Bestanderhaltung kann eine Schulung hilfreich sein. Nutzern weiterhelfen könnt Ihr mit einer allgemeinen Link Sammlung.
Digitale Kompetenzen & Informationstechnik
Tipp: Wenn Ihr Bildbearbeitung nicht als Ausbildungsinhalt habt schaut bei der VHS vorbei, da dort stetig Kurse angeboten werden, ebenso findet Ihr auch Kurse im Internet. Fragt vorab bzgl. Kostenübernahme im Betrieb nach. Ich kann euch Photoshop empfehlen, nicht aber vom inzwischen wohl üblichen Abo Modell. Auch kann ich euch die Affinity Serie sehr empfehlen, so z.B. Affinity Photo. Die Kosten für die Software sind gering und einmalig, was absolut unschlagbar ist. Die Funktion ist im Prinzip gleichwertig wie Photoshop und viele wechseln, so auch ich.
Neu hinzugekommen: KI-Tools. Einige "KI" Programme, wie z.B. zur Paper-Analyse gibt es auch schon recht lange, aber als Übersicht über manche neuen Programme ist es interessant. Achtet ggf. darauf, welche Programme dran kommen und ob Praxisabschnitte mit dabei sind. Die Entwicklung überholt euch und die Schulung sowieso. Wird es aktiv genutzt, kann eine Schulung für den ersten Einstieg immer nützlich sein. Schaut dabei vielleicht bei der IHK nach, da die Qualität und der Umfang der Schulungen oft ganz gut ist, der Preis leider auch.
Kommunikation & Sprache
Schulungen zum Umgang mit Kunden sind ziemlich wichtig, aber wenn eine Einrichtung nie etwas "erlebt" hat, wird es ggf. als überflüssig angesehen, was nicht durchdacht ist. Gerade von ÖBs habe ich die Erfordernis gehört. Sowas sollte für ein gesamtes Bibliotheksteam verpflichtend sein, allerdings finde ich in Schulungen die Rollenspiele, die meist vorkommen, extrem nervend.
Tipp: Erasmus+: Das Programm gibt es auch für Beschäftigte und bietet damit Möglichkeiten zu Sprachreisen und dabei Kennenlernen von Bibliotheken. Meist muss man sich jedoch auf wenige Plätze und ein paar Termine bewerben. Es werden Kosten übernommen, allerdings hat man ein Budget für alles. Man hat vermutlich immer einen gewissen Anteil an Eigenkosten, u.a. Verpflegung und ggf. einzelne Übernachtungen, falls Reisezeiten nicht passen sollten. Aufgrund der Reisezeiten und des Budgets, nutzen die meisten Flieger zur Anreise, da es ja ins Ausland geht. Möchte man dies nicht, wären Zug und Schiff die nächsten Optionen und damit ggf. zusätzliche Urlaubstage die man benötigt. (Wurde mir angeboten, war aber Aufgrund von Anreise und Zeiträumen nie möglich.)
Tipp: EF Standard English Test: Die kostenlose Variante von standardisierten Englischtest - Online und schnell. Damit könnt Ihr regelmäßig den aktuellen Stand prüfen und Zertifikate erhalten, die den üblichen Standards entsprechen. Insgesamt eine ziemlich gute Lösung, gerade für die Ausbildungszeit. [Werbung durch Nennung: https://www.efset.org/de]. Alternativ KMK, TÖFEL oder ähnliches.
Weitere Themen, die es als Schulungen gibt:
Personalentwicklung & Ausbildung
Organisationsentwicklung & Betrieb
Weiterbildungsmöglichkeiten
Varianten aus der Praxis
Die folgenden Beispiele zeigen typische Wege und Entwicklungsmöglichkeiten im Bibliotheksbereich. Sie sind vereinfacht dargestellt und können je nach Einrichtung und persönlichem Werdegang variieren:
Vorsicht: Überqualifikation?
Auch wenn Weiterbildung grundsätzlich positiv ist, kann sie in bestimmten Fällen zu Herausforderungen führen. Zwei Beispiele aus der Praxis:
Eine Bewerberin mit abgeschlossenem Studium und Berufserfahrung wurde für eine FaMI-Stelle als „überqualifiziert“ eingestuft – die Stelle war nicht auf das Qualifikationsniveau ausgelegt.
In einem anderen Fall führte der Wechsel vom FaMI zur Bibliothekarin mit zusätzlicher IT-Kompetenz dazu, dass die bisherige Stelle nicht mehr zum Gehaltsgefüge passte. Die Person wurde versetzt, da keine passende Stelle verfügbar war. (Natürlich passiert letzteres nicht einfach so, aber es soll den Gedanken aufnehmen.)
Diese Beispiele zeigen: Weiterbildung kann Türen öffnen – aber auch zu Situationen führen, in denen die vorhandene Qualifikation nicht mehr zur ausgeschriebenen Stelle passt. Wichtig ist daher, die eigene berufliche Entwicklung strategisch zu planen und sich über mögliche Auswirkungen zu informieren.
